Apples Patent-Krieg

 10. March, 2010 um 9:03 Uhr    RedParkz         Keine Kommentare   

Nicht erst seit der Klage gegen HTC ist bekannt, dass man bei Apple eine vermeintliche Verletzung seiner Patente nicht gerne sieht und gegen diese auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vorgeht. Verdeutlicht wird dies auch durch die Aussage von Apples COO Tim Cook aus dem Jahre 2009:

“we will not stand for having our IP ripped off and we’ll use whatever weapons we have at our disposal. I don’t know that I can be more clear than that.”

Jedoch geht man natürlich nicht erst seit gestern gegen potentielle Kandidaten vor. So wurde bereits im Jahr 2003 Jonathan Schwartz, damaliger CEO bei Sun, von Steve Jobs persönliche kontaktiert und darauf hingewiesen, dass man bei Apple in den grafischen Effekten von Suns “Looking Glas Projekt” mehrere Patentverletzungen sehe. Wenn das Unternehmen sich entscheiden sollte das Projekt kommerziell zu nutzen, werde man bei Apple mit aller härte dagegen vorgehen. Auch wenn es laut eigenen Aussagen von Schwartz nichts mit dieser Drohung zu tun hatte, wurde das Projekt nie veröffentlicht.

Auch der Patentkrieg mit Nokia scheint ein nie endender Kampf zwischen den beiden Herstellern zu werden. Beide führen parallel Klagen gegeneinander und man lässt auch nie eine Gelegenheit aus dem anderen noch einen kleinen Seitenhieb zu verpassen. Sei es nun die Aussage von Jobs man sei der erfolgreichste Hersteller von Smartphones (auf der iPad Keynote) oder die Reaktion von Nokia im hauseigenen Blog bei der man von einer “verwirrten Frucht” spricht, beide Unternehmen tragen den Kampf sowohl vor Gericht bzw. ITC aus als auch auf anderen öffentlichen Veranstaltungen aus.

Neben Nokia gibt es aber auch noch weiter Ziele die man bei Apple in Angriff genommen hat. So hat das Unternehmen bereits im Januar damit begonnen mehrere Hersteller von Smartphones zu kontaktieren und sie auf eine mögliche Verletzung von iPhone bezogenen “Intelligent Property” bei diversen Geräten hingewiesen. Dies berichtet Yair Reiner, Analyst bei Oppenheimer und beruft sich dabei auf interne Untersuchungen und Anfragen an diverse Hersteller. Die Klage gegen HTC und damit indirekt Google, sei “nur” Apples Art um dem ganzen auch Nachdruck zu verleihen. Damit scheint auch die Aussage man habe bei HTC nie ein Wort von Apple gehört zu haben ein wenig ins Schwanken zu geraten.

Und die  “Drohungen” scheinen ihr Ziel nicht verfehlt zu  haben. Bei den Herstellern sei man zurück ans Reißbrett gegangen und versuchte die möglichen Patent-Verletzungen zu umschiffen. Auch die Anwälte betroffener Unternehmen würden derzeit verstärkt an neuen Strategien feilen um sowohl defensive als auch offensive Strategien zu entwickeln.

Dieses Vorgehen habe damals bereits Wirkung gezeigt und die Entwicklung vieler potentieller “iPhone Killer” sei damit stark gestört worden. Große Unternehmen in die USA verzichteten auf die Implementierung von Multi-Touch Bedienung in ihren Geräten. Erst Motorola und HTC hatten es gewagt Multi-Touch in ihren Geräten zu verbauen. Selbst Google hielt sich am Anfang an die mit Apple abgesprochen Vereinbarung kein Multitouch in ihren Geräte zu aktiveren. Viele andere Hersteller warteten daraufhin die Reaktion von Apple auf die Geräte von Motorola (Droid) und HTC (Eris) ab. Vor allem nachdem auch Google Multi-Touch in seinen Geräten (Nexus One) per Update freigeschaltet hatte war eine Reaktion von Apple unausweichlich.

Denn eine ausgebliebene Reaktion von Apple wäre ein Zeichen für alle anderen Unternehmen gewesen, dass man diese Technologie bedenkenlos verwenden könnte. Die kürzlich eingegangen Klage gegen HTC sendet damit ein deutliches Signal an die anderen Hersteller aus. Dieses wird seine Wirkung sicherlich nicht verfehlen und wer sich nicht mit Apple anlegen will, der wird in Zukunft sehr vorsichtig bei der Entwicklung seiner Geräte sein.

Schien Android eine einfache und günstige Möglichkeit zu sein um in Konkurrenz mit dem iPhone zu treten, so dürfte diese Annahmen mittlerweile in weniger Unternehmen vorherrschen. Reiner geht sogar davon aus, dass durch diesen Zug viele Hersteller wieder vermehrt auf Windows Mobile setzen könnten.

“Our checks,” writes Reiner, “indicate that Microsoft has been quick to sniff out this burgeoning opportunity and has begun to aggressively promote the strength of its own IP portfolio, as well as its willingness to join battle with customers that come under IP attack.”

Wie diese ganzen Patentstreitigkeiten ausgehen werden ist derzeit noch unklar. Zumindest dürfte man es bei Apple geschafft haben die Hemmschwelle für Patentverletzungen sehr hoch anzusetzen. Viele Hersteller werden ihre Produkte nun doppelt und dreifach auf mögliche Probleme hin abklappern. Schließlich will man sich ja nicht mit Apple und deren prall gefüllter Kriegskasse anlegen.

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